Diese Art der Verhütung manipuliert den Körper gar nicht, es geht alles seinen natürlichen Gang. Deshalb ist es auch nicht ganz richtig, überhaupt von Verhütungsmethoden zu sprechen. Denn die natürlichen Methoden basieren auf der Tatsache, dass die Frau nur wenige Tage im Monat fruchtbar ist. Sie helfen dabei, die fruchtbaren Tage zu ermitteln. An diesen Tagen ist Sex tabu – es sei denn, man greift auf ein Verhütungsmittel zurück. An den unfruchtbaren Tagen, die ebenfalls ziemlich genau ermittelt werden können, kann man dafür miteinander schlafen, ohne zu verhüten.
Diese Methode darf nicht verwechselt werden mit der ziemlich unzuverlässigen Knaus-Ogino-Methode. Das einzige Gemeinsame dieser beiden Methoden ist, dass es sich um Zeitwahlmethoden handelt.
Bei der Methode Knaus-Ogino kann der Zeitpunkt des Eisprungs nur vermutet werden. Bei der Temperatur-Methode wird er durch Messung der Körpertemperatur erfasst. Trotz Schwankungen des Zyklus ist es für jede Frau relativ leicht, die unfruchtbaren Tage ausreichend genau festzustellen. Bei exakter Durchführung kann man die Temperatur-Methode in die Gruppe mittlere Zuverlässigkeit einstufen.
Es ist seit langer Zeit bekannt, dass die Körpertemperatur einer Frau im Zyklus Schwankungen aufweist, die durch den temperaturerhöhenden Effekt des Gelbkörperhormons ausgelöst werden.
Wichtig ist, dass die „Aufwach“-Temperatur am Morgen vor dem Aufstehen am besten im Darm oder im Mund gemessen wird. Die Temperaturwerte sollen in ein Kurvenblatt des Zykluskalenders eingetragen werden. Von der Regel bis zum Eisprung ist die Temperatur niedrig. 1 bis 2 Tage nach dem Eisprung steigt sie um 0,30° bis 0,50° C an. Bis kurz vor der nächsten Regel bleibt die Temperatur auf diesen erhöhten Werten.
Erfahrungsgemäß ereignet sich der Eisprung am Tag vor dem Temperaturanstieg. Manchmal kommt es an diesem Tag zu einem leichten, aber nicht typischen Temperaturabfall direkt vor dem dann einsetzenden Anstieg. Eine Frau muss deshalb ihre fruchtbare Zeit vom Tag des Abfalls bis 3 Tage nach dem Anstieg der Temperatur annehmen. Vom 3. Tag der erhöhten Temperatur an braucht eine Frau nicht mehr mit einer Empfängnis zu rechnen. Wenn es nur in der Zeit vom 3. Tag der erhöhten Temperatur bis zur nächsten Blutung zu sexuellem Verkehr kommt, spricht man von der „strengen Form der Temperatur-Methode“. Damit wird ein hoher Grad an Sicherheit erreicht. Wenn ein Paar dies als zu starke Einschränkung empfindet, nur an rund 10 Tagen im Zyklus Geschlechtsverkehr haben zu können, kann die „erweiterte Form der Temperatur-Methode“ angewandt werden. Das heißt: auch die Zeit während und nach der Blutung kann genutzt werden. Sie reicht vom Beginn der Blutung bis 7 Tage vor dem Temperaturanstieg. Dabei geht man so vor, dass man von jenem Zyklustag 7 Tage zurückrechnet, an dem in 6 aufeinander folgenden Zyklen frühestens der Temperaturanstieg erfolgt ist. In dieser Berechnung steckt allerdings ein gewisser Unsicherheitsfaktor. Deshalb gilt die Zeit nach der Blutung und vor dem Eisprung als weniger sicher.
Das ist tatsächlich sehr wichtig und manchmal etwas schwierig. Ein von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) veröffentlichter Hinweis macht eine fast immer richtige Deutung der Temperaturkurve möglich: „Ein echter Temperaturanstieg zeichnet sich dadurch aus, dass er innerhalb von 24 bis 48 Stunden eintritt und die Temperaturwerte an 3 aufeinander folgenden Tagen um mindestens 0,20° C höher liegen als in den vorangegangenen 6 Tagen. Der erste Tag der erhöhten Temperatur gilt als Temperaturanstieg.“ Außerdem gibt es eine weitere Hilfe für das Erkennen des „richtigen“ Temperaturanstiegs: Viele Frauen bemerken an den letzten 3 bis 4 Tagen vor dem Temperaturanstieg einen schleimig fadenziehenden Ausfluss aus der Scheide. Das hängt mit der Verflüssigung des Schleims im Gebärmutterhals zusammen. Wenn nach einigen Tagen der Schleimabsonderung die Temperatur ansteigt, kann eine Frau sicher sein, dass es der „richtige“ Temperaturanstieg ist.
An die nachfolgenden Regeln sollte sich eine Frau halten:
Sie ist vor allem für Frauen geeignet, die andere Methoden ablehnen. Trotz der unübertroffenen Zuverlässigkeit der Pille und der Beliebtheit von Intrauterinpessaren besteht ein großes Interesse an Methoden der natürlichen Familienplanung. In vielen Ländern spielt auch noch das päpstliche Rundschreiben Papst Pauls VI, die Enzyklika „Humanae vitae“, eine Rolle, nach der für katholische Paare zur Familienplanung ausschließlich die Zeitwahlmethoden erlaubt sind. Viele Frauen wählen diese Methode aber auch, weil sie eben in keiner Weise in das Körpergeschehen eingreift. Dabei wird auch positiv empfunden, dass vor dem Verkehr keinerlei Vorbereitungen erforderlich sind wie bei Kondom, Diaphragma oder chemischen Mitteln.
Eine Frau muss sich allerdings auf ihre Zuverlässigkeit beim Messen fest verlassen können. Sie muss es gut finden, ihre körperlichen Abläufe selbst zu kontrollieren und auf diese Weise mitzuerleben. Und sie muss es akzeptieren, nicht zu jeder Zeit spontan Verkehr haben zu können.
Bei Paaren, die sich spontan und nicht nach einem festen Zeitplan lieben möchten, ist die Temperatur-Methode auf keinen Fall zu empfehlen. Ebenso ist diese Methode nicht geeignet für Mädchen oder Frauen mit instabilem Zyklusverlauf. Auch Frauen mit wechselnden Arbeitszeiten, z.B. Schichtarbeit, Nachtdienste, sollten diese Methode nicht anwenden. Eine umfangreiche britische Studie zeigt, dass bei der Temperatur-Methode die Versagerquote mit wachsendem Lebensalter der Frau – d.h. auch mit zunehmender Erfahrung – niedriger wird.
Unter dieser Methode versteht man die gleichzeitige Berücksichtigung der Basaltemperaturkurve und der im Scheideneingang erkennbaren Schleimabsonderung aus dem Gebärmutterhals. Der österreichische Arzt Roetzer, der sich um die Verbreitung dieser Methode sehr verdient gemacht hat, formuliert seine Regel folgendermaßen: „Nach Verschwinden des flüssigen Zervixschleims müssen drei hohe Temperaturen, die höher sind als die vorangegangenen sechs Temperaturwerte, beobachtet werden, dann ist die sicher unfruchtbare Phase erreicht.“ Bei regelgerechter Anwendung stellt die sympto-thermale Methode die zuverlässigste Methode der natürlichen Empfängnisregelung dar. Die Versagerquote liegt um 1.
Die Kalender- oder Knaus-Ogino-Methode gehört in den Bereich der Zeitwahlmethoden. Sie erfordert sehr umständliche Berechnungen und viel sexuelle Enthaltsamkeit. Bei einer sehr hohen Versagerquote wird sie von einer/einem verantwortungsvollen Frauenärztin/Frauenarzt kaum empfohlen werden. Wie alle Zeitwahlmethoden geht auch die Methode Knaus-Ogino davon aus, dass 1. Eizelle und Samenzelle nur eine beschränkte Zeit befruchtungsfähig sind, 2. in jedem Zyklus nur ein Eisprung stattfindet, 3. der Zeitpunkt des Eisprunges feststellbar ist. Der japanische Frauenarzt Ogino war 1925 der erste, der bei Untersuchungen festgestellt hat, dass in einem 4-wöchigen Zyklus der Eisprung in der Zeit vom 12. bis 16. Tag vor Beginn der nächsten Regel stattfindet. Man muss jetzt 3 Tage für die Befruchtungsfähigkeit der Samenfäden dazurechnen und hat eine Zeitwahlmethode. Eine Empfängnis ist danach nur möglich vom 10. bis zum 17. Zyklustag. Da aber bei keiner Frau der Zyklus regelmäßig 28 Tage beträgt, muss man die Schwankungen des Zyklus auch noch in die Rechnung einbeziehen. Ogino und auch Knaus, ein österreichischer Frauenarzt, verlangten Zyklusaufzeichnungen über 12 Zyklen, ehe die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage berechnet wurden. Bei einem 26- bis 30-tägigen Zyklus würde die Rechnung ergeben, dass außerhalb der Zeit vom 8. bis 19. Zyklustag nicht mit einer Empfängnis zu rechnen ist.
Seit einigen Jahren macht besonders unter jungen Leuten eine neue „Ovulationsmethode“, die Billings-Methode, von sich reden. Sie wurde entwickelt von dem australischen Arzt Billings und gehört ebenfalls in den Bereich der Zeitwahlmethoden. Nach Billings ist sexuelle Enthaltsamkeit nur an den Tagen erforderlich, an denen eine Frau fadenziehenden Schleim beobachtet. Vorausgesetzt werden muss jedoch eine mehrmonatige Vorlaufzeit gründlicher Beobachtung vor der eigentlichen Anwendung. 3 bis 4 Tage vor dem Eisprung verflüssigt sich der Schleim im Gebärmutterhals, damit die männlichen Samenfäden in die Gebärmutter eindringen können. Diese Schleimabsonderung beobachten viele Frauen selbst an diesen Tagen. Die Vorteile der Billings-Methode liegen damit auf der Hand. Eine Frau muss keine mühsamen Berechnungen machen, wie beispielsweise bei der Methode Knaus-Ogino. Schwankungen des Zyklus können ebenfalls unberücksichtigt bleiben. Außerdem ist die Billings-Methode, wie die Temperatur- und alle Zeitwahl-Methoden, völlig frei von Nebenwirkungen.
Wie zuverlässig ist die Billings-Methode?
Insgesamt ist sie wie die Knaus-Ogino-Methode als unzuverlässig einzustufen. Andererseits gibt es Frauen mit großem Interesse an natürlichen Methoden der Familienplanung, die mit dieser Methode gut zurechtkommen.
Diese Methode geht allein vom Mann aus und bedeutet, dass er kurz vor seinem Höhepunkt den sexuellen Kontakt abbricht. Der Penis muss dabei so rechtzeitig aus der Scheide gezogen werden, dass der Samenerguss außerhalb stattfindet. Es handelt sich um eine der ältesten Verhütungsmethoden überhaupt. Schon im Alten Testament wird davon gesprochen. Auch nach neuesten Untersuchungen gehört das „Aufpassen“ zu den am häufigsten angewandten Formen der Verhütung, obwohl es wesentliche Gründe gibt, diese Methode infrage zu stellen. Die Versagerquote liegt bei 25, deshalb ist diese Methode als unzuverlässig einzustufen. Bereits vor dem Höhepunkt können Samenfäden aus dem Penis austreten und zu einer Befruchtung führen. Der Mann muss seine Gefühle so stark unter Kontrolle haben, dass ein inniges Erlebnis kaum damit verbunden sein kann. Anstatt gelöst und entspannt sein zu können, müssen beide aufpassen: der Mann, dass er sich im richtigen Augenblick zurückzieht, die Frau, dass ihm dies auch gelingt.
Diese Frage muss bejaht werden. „Aufpassen“ ist für viele Paare seelisch sehr belastend. Nicht umsonst heißt diese Methode im Volksmund auch „Rückzieher“. Die meisten Männer sind nicht in der Lage, ihren Höhepunkt beliebig hinauszuzögern. Die Frau erlebt hier auch seltener einen Orgasmus. Oft sind auch beide Partner enttäuscht.