Kondome, auch Präservative genannt, sind die einzigen „mechanischen“ Verhütungsmittel für den Mann. Ihre Geschichte liegt mehr als 400 Jahre zurück. Damals waren sie allerdings ziemlich dick und unpraktisch und wurden eigentlich nur deshalb benutzt, um sich vor Geschlechtskrankheiten zu schützen. Diesen Vorteil haben sie natürlich auch heute noch. Andererseits ist es vielen Männern durch die Anwendung des Kondoms möglich, einen eigenen Beitrag im Sinne partnerschaftlich verantwortungsvoller Empfängnisverhütung zu leisten.
Das Kondom besitzt eine mittlere Zuverlässigkeit. Die häufigste Ursache für eine „Panne“ ist, dass ein Mann seinen Penis zu lange in der Scheide lässt. Nach dem Erguss nimmt der Umfang des Penis rasch ab, und die Samenflüssigkeit kann aus dem Kondom in die Scheide gelangen. Außerdem ist darauf zu achten, dass beim Herausziehen des Penis das Kondom festgehalten wird.
Bewährt hat sich das Kondom vor allem für Paare, die nur recht selten sexuellen Kontakt haben und deshalb nicht immer einen Empfängnisschutz brauchen. Oft wird das Kondom auch dann benutzt, wenn eine Frau die Pille oder die Spirale nicht anwenden darf oder will. Viele Frauenärztinnen/Frauenärzte empfehlen die Anwendung des Kondoms bei stillenden Müttern, weil die Pille und z.B. die Temperaturmethode noch nicht wieder anwendbar sind. Auch für Burschen und Mädchen, die zum ersten Mal oder noch sehr selten und mit wechselnden Partnern Verkehr haben, ist es empfehlenswert, ein Kondom zur Hand zu haben.
Die Anwendung eines Kondoms ist einfach. Es wird vor dem Verkehr über das versteifte Glied gestreift. Der Reserveraum für die Samenflüssigkeit muss erhalten bleiben.
Früher waren Kondome wirklich so etwas wie ein Hemmschuh, weil der Gummi dick und unelastisch war. Heute sind Kondome hauchdünn und werden beim Verkehr so gut wie gar nicht gespürt. Kondome mit Gleitschutz fördern das natürliche Gefühl. Manche Frauen und Männer fühlen sich allerdings durch das Kondom in ihrer Spontanität gestört und in ihrem Empfinden für Harmonie beeinträchtigt. Bei sehr sensiblen Männern kann die nötige Vorbereitung die Erektion stören. Man sagt aber auch, dass Kondome bei vielen Männern den vorzeitigen Erguss günstig beeinflussen, d.h. verzögern. Unerfahrene Partner fühlen sich oft unsicher, wenn sie im Umgang mit einem Kondom nicht geübt sind. Wenn eine Frau meint, den Partner durch das Kondom nicht mehr richtig fühlen zu können, hat das selten etwas mit dem Kondom zu tun. Die Scheide selbst ist nicht so empfindlich, dass sie den Unterschied spüren würde.
AIDS hat sich mittlerweile zu einem Risiko ausgeweitet, vor dem sich jeder schützen muss. Die Zeiten, zu denen AIDS nur eine Gefahr für bestimmte Randgruppen war (Homosexuelle, Drogenabhängige, Bluter), sind längst vorbei. Heute infizieren sich immer mehr Menschen mit dem AIDS auslösenden HI-Virus, die nicht zu diesen Risikogruppen gehören. Die Gefahr liegt in der Verdrängung des Problems: Viele fühlen sich von der Gefahr nicht betroffen und sind unvorsichtig. Leider ist das oft ein tödlicher Leichtsinn.
Aber auch das kann nur schützen, wenn es konsequent und ohne Ausnahme benutzt wird. Es spielt keine Rolle, ob man seinem Gegenüber „etwas ansieht“ oder nicht: eine HIV-Infektion sieht man nicht. Und man sollte über dieses Thema reden – bevor es zu spät ist. Ein Gespräch kann helfen, Unsicherheiten abzubauen und signalisiert auch Verantwortungsbewusstsein. Denn schließlich geht es ja um die Sicherheit von beiden. Etwas anders sieht es natürlich bei längeren Partnerschaften aus. Hier kann ein gemeinsamer HIV-Test für Sicherheit sorgen. Das setzt allerdings 100prozentige Treue auf beiden Seiten voraus. Wird über den Infektionsschutz hinaus eine zuverlässige Verhütung gewünscht, kann wegen ihrer sehr hohen Zuverlässigkeit die Einnahme der Pille empfohlen werden.
Gegen die Geschlechtskrankheiten Syphilis, Gonorrhoe oder Tripper ist durch das Kondom ein weitgehender, wenn auch kein absolut sicherer Schutz gegeben. Dies gilt auch für Pilzerkrankungen (Mykosen), Chlamydien sowie Trichomonaden (Infektionen der Scheide).
Es gibt Qualitätsunterschiede. Empfehlenswert ist in jedem Fall, nur Markenartikel zu verwenden. Das ist ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor. Zu empfehlen sind Markenkondome, bei denen die Gebrauchsinformation die Angaben enthält „einzeln elektronisch geprüft“ und „lagerfähig bis (Jahreszahl)“. Diese nach strengen Vorschriften geprüften Kondome tragen ein „Gütezeichen“. Gummi altert und wird dann brüchig. Bei der großen Sortenauswahl, die es heute gibt, haben vor allem Kondome mit Gleitsubstanz Vorteile. Sie machen den Verkehr für beide Partner angenehmer. Die Gleitsubstanz kann zusätzlich eine samenabtötende Wirkung haben, wodurch praktisch ein Doppelschutz besteht.