Bereits seit 1962 gibt es in Österreich die Pille und sie ist heute noch immer eine der beliebtesten und zuverlässigsten Methoden zur Verhütung. Damit ist die Pille eine sehr gute Möglichkeit für die verantwortungsbewusste Familienplanung. Sie hat aber auch Fragen aufgeworfen. Aufgrund langjähriger Erfahrung mit der Pille gibt es darauf konkrete, wissenschaftlich abgesicherte Antworten.
Wie die Bezeichnung Ovulationshemmer schon sagt, verhindert die Pille die Ovulation, den Eisprung. Ohne Eisprung wird keine Eizelle aus dem Eierstock freigegeben. Das heißt, es gibt keine befruchtungsfähige Eizelle und somit auch keine Empfängnis. Diese Wirkung beruht auf den in der Pille enthaltenen Hormonen Östrogen und Gestagen, die den natürlichen weiblichen Hormonen Estradiol und Progesteron (Gelbkörperhormon) sehr ähnlich sind. Zusätzlich sorgt die Pille für zwei weitere Effekte, die ebenfalls einer Schwangerschaft entgegenwirken. Zum einen bleibt die Verflüssigung des Schleims im Gebärmutterhals aus, die normalerweise um die Zeit des Eisprungs eintritt. So können Samenfäden gar nicht erst in die Gebärmutter eindringen. Zum anderen kommt es durch die Wirkung der Pille zu einem ungenügenden Aufbau der Gebärmutterschleimhaut; eine befruchtete Eizelle kann sich nicht ein-nisten.
Die Pille ist eine der wenigen empfängnisverhütenden Methoden, die man als sehr zuverlässig bezeichnen kann. Natürlich ist eine regelmäßige Einnahme dafür Voraussetzung. Von 1.000 Frauen werden 1-5 Frauen innerhalb 1 Jahres schwanger.
Viele Frauen fragen sich, ob sie eigentlich die richtige Pille nehmen, weil es eine Reihe von sehr unterschiedlichen Präparaten gibt. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen älteren, hochdosierten Pillen und den modernen, niedrigdosierten Kombinationspräparaten mit weniger als 50 Mikrogramm Östrogen (Mikropillen).
Bei der Pillenverordnung wird die Frauenärztin/der Frauenarzt im Allgemeinen niedrigdosierte Mikropillen einsetzen, weil von ihnen der geringsten Einfluss auf Stoffwechsel, Gerinnungssystem, Blutdruck und Körpergewicht zu erwarten sind. Pillen zur Verhinderung des Eisprungs enthalten zwei synthetische Hormone: ein Östrogen und ein Gestagen.
Man unterscheidet bei den Pillen 3 Typen von Kombinationspräparaten: Einphasenpräparate enthalten beide Hormonkomponenten – also eine Kombination aus Östrogen und Gestagen – in gleicher Dosierung vom ersten bis zum letzten Einnahmetag. Die Dauer der Einnahme be-trägt 21, 22 oder 28 Tage (24 Tage + 4 Placebo = Tabletten ohne Wirkstoffe oder 26 Tage + 2 Placebos ).
Eine Besonderheit stellen die Mehr-Stufen-Pillen dar. Sie enthalten in der Mitte des Einnahmezyklus etwas mehr Östrogen und das Gestagen ist ansteigend dosiert, dem natürlichen Zyklus entsprechend.
Bei der 4-Phasen-Pille ist die Kombination von Östrogen und Gestagen ganz besonders auf den weiblichen Körper abgestimmt. Das führt zu gleichmäßigen Östrogenspiegeln im Blut, einer guten Zykluskontrolle sowie zu kurzen und schwachen Blutungen. Ein besonderes Dosierungsschema bietet zuverlässigen Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft. Diese Pille nimmt man durchgehend 28 Tage, wobei über 26 Tage in den verschiedenen Zyklusphasen unterschiedliche Dosierungen von Gestagen und Östrogen zur Wirkung kommen. Die Tabletten für die letzten zwei Tage sind hormonfrei (Placebos). Eine Pause gibt es nicht, wodurch der Beginn der nächsten Pillenpackung weniger leicht vergessen werden kann.
Seitdem es an der Zuverlässigkeit der Pille keine Zweifel mehr gibt, muss die Wissenschaft heute verstärkt zum Thema Nebenwirkungen Rede und Antwort stehen. Es gibt viele gesicherte Erkenntnisse darüber, welche Nebenwirkungen harmlos oder ernst zu nehmen sind. Ganz allgemein ist zu sagen, dass bei Verwendung moderner niedrigdosierter Pillen die Häufigkeit unerwünschter Nebenwirkungen stark reduziert worden ist. Von den meisten Anwenderinnen werden diese Pillen gut vertragen. Zu den Nebenwirkungen bei der Pille – besonders zu Beginn der Einnahme – zählen wie z.B. Übelkeit, Spannungsgefühl in den Brüsten und eine vorübergehende Gewichtszunahme. Meistens verlieren sich solche Nebenwirkungen nach einigen Einnahmezyklen. Im Einzelfall kann die Frauenärztin/der Frauenarzt ein anderes Pillenpräparat verordnen. Bei der Einnahme der Pille kann es in seltenen Fällen zu schweren Nebenwirkungen kommen, wie zur Verstopfung eines Blutgefäßes (Thrombose). Insbesonders das Rauchen und andere Risikofaktoren, wie z.B. Übergewicht, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder frühere Gefäßerkrankungen bei nahen Verwandten können diese fördern. Am besten Sie lesen die entsprechenden Hinweise in der Gebrauchsinformation aufmerksam durch und sprechen im Falle von Nebenwirkungen unbedingt mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.
Anhand langjähriger Studien konnte gezeigt werden, dass Frauen, die die Pille nehmen, viel seltener an Eierstock- oder Gebärmutterschleimhautkrebs erkranken. Nicht zweifelsfrei geklärt ist, inwieweit die Einnahme der Pille mit Veränderungen am Gebärmutterhals einhergeht. Bei Frauen, die die Pille über längere Zeit nehmen, treten häufiger Fälle von Gebärmutterhalskrebs auf. Dies muss nicht durch die Pille bedingt sein, sondern kann mit dem Sexualverhalten (z.B. häufiger Partnerwechsel) und anderen Faktoren in Zusammenhang stehen. Brustkrebs wird bei Frauen, die die Pille nehmen, etwas häufiger festgestellt als bei Frauen gleichen Alters, die die Pille nicht nehmen. Aber es ist nicht bekannt, ob dies durch die Pille verursacht wird. 10 Jahre nach Absetzen der Pille besteht allerdings kein Unterschied mehr. Möglicherweise wurden diese Frauen nur sorgfältiger und öfter untersucht, sodass der Brustkrebs früher erkannt wurde. Jede Frau sollte sich mindestens einmal im Jahr routinemäßig von ihrer Ärztin/ihrem Arzt untersuchen lassen. Auf diese Weise lassen sich beginnende Krankheiten frühzeitig erkennen und behandeln. Im Rahmen dieser Kontrolle kann die jährliche Vorsorgeuntersuchung erfolgen, bei der auch ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals entnommen wird. Mit Hilfe dieser einfachen und schmerzlosen Methode lassen sich beginnende Erkrankungen in diesem Bereich sehr früh erkennen und behandeln.
Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Pilleneinnahme und erhöhtem Risiko für Herzinfarkt ließ sich in umfangreichen Studien nicht erkennen. Einen erheblichen Risikofaktor für das Auftreten von Herz- und Kreislauferkrankungen stellt allerdings das Rauchen dar. Man weiß heute, dass für Raucherinnen, die die Pille einnehmen, das Risiko erhöht ist, an Gefäßveränderungen mit zum Teil schweren Folgen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) zu erkranken. Dieses Risiko nimmt mit zunehmendem Alter und steigendem Zigarettenkonsum zu. Frauen, die zur Schwangerschaftsverhütung die Pille nehmen, sollten deshalb nicht rauchen. Wenn auf das Rauchen nicht verzichtet wird, sollten besonders bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren andere Verhütungsmethoden angewendet werden. Die Gebrauchsinformationen der Präparate enthalten entsprechende Hinweise. In diesen Fällen sollte man sich vertrauensvoll an die Frauenärztin/den Frauenarzt wenden, um mit ihr/ihm die für sich günstigste Methode der Schwangerschaftsverhütung zu besprechen.
Bei der Einnahme der Pille kann es in seltenen Fällen zu schweren Nebenwirkungen kommen, wie zur Verstopfung eines Blutgefäßes (Thrombose). Die Anwendung jeder Pille mit Östrogen und Gestagen erhöht das Risiko, eine Thrombose zu entwickeln. Insbesondere das Rauchen und andere Risikofaktoren, wie z.B. Übergewicht, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder frühere Gefäßerkrankungen bei nahen Verwandten können diese fördern.
Mögliche Anzeichen für eine Thrombose sind z.B. starke Schmerzen in einem Bein oder in der Brust, plötzliche Atemnot oder anhaltende erstmalig auftretende Kopfschmerzen (weitere Hinweise findest du in der Gebrauchsinformation).
Sehr wichtig ist, dass Sie die entsprechenden Hinweise in der Gebrauchsinformation aufmerksam durchlesen und im Falle von Nebenwirkungen unbedingt mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt sprechen.
Heute ist man übereinstimmend der Meinung, dass die Pille die Fruchtbarkeit der Frau nicht beeinflusst. Eine umfangreiche Statistik aus Großbritannien sagt aus, dass 3 Monate nach Absetzen der Pille 50 Prozent und nach 6 Monaten 80 Prozent der Frauen schwanger geworden sind. Ein längeres Aussetzen der Blutung – eine Amenorrhoe – kommt nach Absetzen der Pille nicht häufiger vor als sonst.
Verständlicherweise macht man sich über diese Frage Gedanken. Es gibt heute gesicherte Erkenntnisse, die besagen, dass der Verlauf einer nachfolgenden Schwangerschaft ungestört bleibt. Ganz wichtig ist sicher die Feststellung, dass Missbildungen ebenfalls nicht häufiger vorkommen. Oft ist auch die Frage gestellt worden, ob nach Einnahme der Pille häufiger Fehlgeburten auftreten oder Zwillinge zur Welt gebracht werden. Auch dazu kann die Wissenschaft heute „nein“ sagen.
Bei dieser Fragestellung können sich Frauen vertrauensvoll an ihre Frauenärztin/ihren Frauenarzt wenden und sich ausführlich beraten lassen. Medizinische Gründe, bei denen eine Pille nicht genommen werden darf, sind:
In der Stillzeit sollten auch niedrigdosierte Kombinationspillen nicht eingenommen werden. Eine Verminderung der Milchproduktion kann nicht ausgeschlossen werden. Für diese Zeit gibt es andere, besser geeignete Verhütungsmittel. Eine Beratung durch die Frauenärztin/den Frauenarzt ist zu empfehlen.
In jeder Pillenpackung liegt eine ausführliche Gebrauchsinformation, die vor Beginn der Pilleneinnahme unbedingt genau gelesen werden sollte. Die Entscheidung, ob es in bestimmten Fällen ratsam ist, die Pille abzusetzen, sollte jedoch der Frauenärztin/dem Frauenarzt überlas-sen bleiben.
Von der früher weit verbreiteten Meinung, Frauen über 35 sollten die Pille nicht mehr nehmen, ist man weitgehend wieder abgekommen. Gerade für eine Frau in diesem Alter ist der zuverlässige Schutz vor ungewollter Schwangerschaft von großer Bedeutung. Die Frauenärztin/Der Frauenarzt wird bei der Beratung und vor der Verordnung folgende Punkte bedenken:
Nach Ausschluss von Risikofaktoren und Kontraindikationen durch die Frauenärztin/den Frauenarzt bringt die Anwendung der Pille bei Frauen jenseits des 35. Lebensjahres mehr Vorteile als Nachteile. Dabei werden wegen ihres geringeren Einflusses auf den Stoffwechsel niedrigdosierte Pillen empfohlen.
Für weiterführende Informationen zum Thema Pille gehen Sie bitte auf die Website www.diepille.at